Podiumsdiskussion

Aus gegebenem Anlass wohnten zahlreiche türkischstämmige Unternehmer und Unternehmer persischer Herkunft der Veranstaltung bei.

Diskussionsteilnehmer

Bereits in taxi-aktuell 1/2007 haben wir darüber berichtet, dass der TVD Landesverband Berlin sich besonders auch um Taxiunternehmer mit Migrationshintergrund bemühen will. Schon damals hatte das Gründungs- und Vorstandsmitglied des TVD Landesverbandes Berlin e.V., HayraniAygün, darauf hingewiesen, dass die türkischen bzw. türkischstämmigen Unternehmer als gleichwertiger Bestandteil des Gewerbes akzeptiert und an gewerbepolitischen Entscheidungen beteiligt werden wollen.
Nach entsprechenden Informationen wird etwa die Hälfte aller Berliner Taxikonzessionen von türkischen Unternehmern bzw. gebürtigen Türken mit deutscher Staatsbürgerschaft betrieben. Gleichzeitig spielt diese überragend große Gruppe in der Gewerbevertretung der Innung des Berliner Taxigewerbes und des Taxiverbandes Berlin keine entsprechende Rolle.

Aus diesem Anlass hat der TVD Landesverband Berlin am Dienstag, dem 20. Mai 2008, 19.00 Uhr eine Podiumsdiskussion veranstaltet. Als erfahrener Referent zum Thema „Erfolgreiche Gewerbepolitik für das Taxigewerbe“ war der Ehrenvorsitzende des TVD, Peter Kristan, eigens aus Stuttgart angereist. Ca. 75 türkischstämmige Unternehmer und Unternehmer persischer Herkunft waren der Einladung gefolgt und hörten lange Zeit gebannt dem einleitenden Referat von Peter Kristan zu.

Peter Kristan, Stephan Berndt

Gewerbepolitik in der Sippenhaftung

In diesem einleitenden Statement forderte Peter Kristan das Gewerbe zu Geschlossenheit und zur Gesprächsbereitschaft mit Politik und Verwaltung auf. Gleichzeitig appellierte er aber auch an die Kampfbereitschaft bei Streiks und Demonstrationen, sollte sich die Politik in Bund und Ländern weiter gegen eine dringend notwendige Reform des Ordnungsrahmens für das Taxigewerbe sträuben. Kristan zeigte sich dabei selbstkritisch und wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Gewerbepolitik nicht schnell zum Ergebnis führe. Es werde ein langer und schwieriger Weg, die Politik für die wirklichen Probleme und Problemlösungen zu sensibilisieren.

Nach diesem einleitenden Statement erhielten die Unternehmer die Möglichkeit, gezielt Fragen zur Verbandsarbeit, den gewerbepolitischen Forderungen und den Erfolgen des Verbandes zu stellen. Von dieser Möglichkeit machten die anwesenden Unternehmer reichlich Gebrauch. Schnell wurde klar, dass viele Unternehmer mit Migrationshintergrund grundsätzlich jeglicher Gewerbepolitik skeptisch gegenüberstehen. Diese Aussage wurde mehrfach durch unterschiedliche Anschuldigungen auf unsere gewerbepolitische Konkurrenz belegt. Nach Aussagen von vielen ausländischen Kollegen standen die hohen Mitgliedsbeiträge bei der Taxiinnung und dem TVB in keinem professionellen Zusammenhang mit den gewerbepolitischen Erfolgen dieser Verbände.

Diskussionsteilnehmer

Konkurrenz belebt das Geschäft

Bei der Diskussion erhielten aber auch Gegner des TVD das Wort. Mit viel Engagement verteidigte das ehemalige Vorstandsmitglied der Taxiinnung Berlin, Frank Müller, die These, eine Zersplitterung des Gewerbes durch Neugründungen von Gewerbevertretungen sei kontraproduktiv und stärke die Position von Politik und Verwaltung. Durch diesen Beitrag fühlten sich nun doch einige Vertreter des TVD und auch einige ausländische Unternehmer zum Widerspruch genötigt. In den Ausführungen wurde schnell klar, dass die große Zahl der Anwesenden darauf zurückzuführen war, dass sie sich von den etablierten Gewerbevertretungen nicht ausreichend oder gar nicht repräsentiert fühlen. Mit Wut im Bauch lehnten die türkischen Kollegen die von Frank Müller indirekt vertretene These ab, der TVD sei der Spaltpilz im Berliner Gewerbe. Nach Ansicht der multikulturellen Unternehmergruppe, die an diesem Abend Interesse an einer Mitarbeit bzw. einer Mitgliedschaft im TVD bekundete, haben die etablierten Gewerbevertretungen selber zu verantworten, dass Ihnen nunmehr die Mitglieder weglaufen bzw. alternative Denkansätze in der Gewerbepolitik eine Chance erhalten.

Diskussionsteilnehmer

Ohnmacht und Wut im Gewerbe steigt

Wie überall in Deutschland entwikkelten sich die Themen Schwarzarbeit, Konzessionsbegrenzung und die geplante Erhöhung der Gebühren an Flughäfen etc. zu den Kristallisationspunkten der Kritik an den etablierten Gewerbevertretungen. Angesichts der desolaten Lage im Gewerbe reichte die Bereitschaft unserer Mitbewerber, überhaupt mit der Flughafengesellschaft Berlin über eine Erhöhung der Gebühr zu beraten, schon aus, um die Rage im Saal deutlich zu erhöhen. Insofern fand die Bereitschaft des TVD, auch der gezielten Eskalation mit der Politik nicht aus demWeg zu gehen, viel Anklang bei der internationalen Unternehmergruppe. Selbstverständlich sehen auch unsere Kollegen den Weg der Eskalation als letzten möglichen Weg an. Die ständige Gesprächsbereitschaft der anderen Gewerbevertretungen ohne dabei Erfolge zur wirtschaftlichen Konsolidierung des Gewerbes zu erzielen, steigert aber die Frustration der Unternehmer und trägt deutlich zur Streik- und Demonstrationsbereitschaft im Gewerbe bei. Wer 240 und mehr Stunden arbeitet, ist nicht mehr bereit, sich von der Politik und Verwaltung einfach abspeisen zu lassen.

Sicherlich konnte der TVD auch an diesem Abend nicht alle Anwesenden für eine Mitgliedschaft interessieren. Doch die berechtigte Skepsis gegenüber der Gewerbepolitik konnte reduziert werden. Am Ende des Abends signalisierten viele Unternehmer eine Menge Übereinstimmungen mit unseren gewerbepolitischen Forderungen und waren bereit, als Meinungsmultiplikator für den TVD zu wirken. Sieben Unternehmer, die knapp 50 Konzessionen in Berlin besitzen, heißen wir herzlich im Verband der Unternehmer willkommen. Der TVD Landesverband Berlin muss das in ihn gesetzte Vertrauen nun bestätigen. Dann werden sicherlich noch viele Unternehmer den Weg zu uns finden. Der Aufnahme in das Anhörungsverfahren sind wir damit wieder einen Schritt näher gekommen. Wir werden diese Zielgruppenarbeit fortsetzen und über die Ergebnisse auch in Zukunft berichten.